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Wie Solarstrom attraktiv werden kann

Vertreter vom Landratsamt Lörrach und der Energieagentur Südwest erläutern in Bad Bellingen die Aktion “365 Dächer”.

Alle reden vom Klimaschutz. Der Landkreis Lörrach möchte etwas dafür tun: Im Wettbewerb “365 Dächer” wollen 17 Gemeinden die solare Stromerzeugung mit Photovoltaik (PV) auf privaten Dächern voranbringen. Bad Bellingen ist eine davon. Bei einem gut besuchten Informationsabend im Kurhaus erläuterten die Akteure von Landratsamt und der Energieagentur Südwest, worum es geht und warum die Installation von PV-Anlagen auch finanzielle Vorteile für die Hausbesitzer bringen kann.

Der Wettbewerb ist Teil des 2018 erstellten integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts, das 79 Maßnahmen auflistet, wie CO2-Emissionen gesenkt werden können. Nach einer Laufzeit von zwei Jahren werden die Gemeinden ausgezeichnet, die den größten Zubau an PV-Dachflächenanlagen und die höchste installierte Gesamtleistung vorweisen können. Die Zahlen werden auf die Einwohnerzahlen umgelegt, damit jede Gemeinde die gleichen Chancen hat.

Bürgermeister Carsten Vogelpohl freute sich über den vollen Saal. Es gehe mit der Initiative auch darum, Bewusstsein zu schaffen, dass jeder einzelne etwas tun kann. Die Hausbesitzer profitieren dabei von einem Energie-Check “Eignungscheck Solar”, der durch die Förderung des Landes 30 statt der sonst üblichen 300 Euro kosten würde und bei dem eine neutrale Fachperson das Gebäude detailliert untersucht, die Besitzer individuell berät und einen Ergebnisbericht erstellt. Um das Interesse weiter zu wecken haben der Landkreis und die Gemeinde Bad Bellingen die Finanzierung für die ersten 30 Anmeldungen zum Energie-Check übernommen, sagte Vogelpohl. Interessierte und schnell entschlossene Hausbesitzer können sich dafür in der Gemeindeverwaltung melden.

Inga Nietz, Leiterin des Sachgebiets Klima und Boden im Landratsamt, erklärte das Ziel des integrierten Energie- und Klimaschutzkonzepts, das den gesamten Landkreis bis 2050 klimaneutral machen soll. “Sie sind Teil des großen Ganzen”, ermutigte sie das Publikum zur Eigeninitiative. Gerade im Bereich PV habe der Landkreis noch große brach liegende Potenziale, man befinde sich hier in der sonnenreichsten Gegend Deutschlands. Dass die Anschaffung von PV-Anlagen bei privaten Investoren oft auf große Skepsis trifft, ist den Akteuren bewusst. Jörg Weyden von der Energieagentur Südwest GmbH, die von den beiden Landkreisen Lörrach und Waldshut mit Partnern aus der Wirtschaft gemeinsam getragen wird, ging auf die gängigsten Vorurteile ein und erläuterte die Richtgrößen für die Installation von privaten PV-Anlagen: Die Rechengröße “Kilowatt Peak” (kWp) bezeichnet die durchschnittliche Leistung einer Anlage. Mit einem kWp erzeugt man 1000 kW Strom pro Jahr. Mit vier kWp deckt man den Jahresbedarf eines Vierpersonenhaushalts. Die Modulkosten für die Erzeugung von einem kWp liegen bei 1500 Euro.

Weyden stellte mit Beispielfotos die Möglichkeiten von PV-Anlagen vor. Als transparente Dächer, an senkrechten Hauswänden, integriert in die Ziegel: Eine reine Südausrichtung sei dabei nicht unbedingt erforderlich, sagte der Fachmann. Anhand von Rechenbeispielen bezogen auf verschiedene Arten der Installation verdeutlichte er die Einsparmöglichkeiten. Thema war auch die sich ständig verringernde Einspeisevergütung. Hier hoffen alle Investoren und Hersteller auf eine politische Trendwende, die dafür sorgt, dass sich PV-Anlagen wieder schneller rechnen.

Derzeit ist die Anlage im Durchschnitt nach 9,7 Jahren amortisiert, rechnete Weyden vor. Bei einer Laufzeit von mindestens 20 Jahren käme dann etliches an finanziellem Vorteil hinzu. Und auch Interessierte ohne eigenes Dach können nach Weyden von PV-Anlagen profitieren, etwa über Bürger-Energiegenossenschaften. Wie man bei der Anmeldung für den Energie-Check vorgeht, erläuterte Erika Höcker von der Energieagentur. Sie ist eine der Fachpersonen, die auch die Checks vor Ort vornehmen.

In Kurzvorträgen vertieften die Referenten dann die Thematik weiter. Dabei ging es um die Frage Strom oder Wärme, um Speichertechniken, E-Mobilität und die Nutzung von PV in Mehrfamilienhäusern sowie Solarmodule für Balkone. Ein eigenes Kapitel, das viele Fragen aus dem Publikum generierte, waren die Formalitäten, die im Zusammenhang mit der Installation von PV-Anlagen zu beachten sind. Wie Solarmodule aussehen und sich anfühlen, konnten sich die Besucher nach der Inforunde im Foyer des Kurhauses an Originalteilen im Rahmen einer kleinen Ausstellung anschauen.

Ansprechpartner im Bad Bellinger Rathaus ist Bernhard Riemer, Tel. 07635/811923. Weitere Infos unter http://www.energieagentur-loerrach-landkreis.de und http://www.solar365.eu

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