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Neues Wohngebiet in Rheinweiler erntet nicht nur Lob

Quelle: Badische Zeitung

Worum geht’s?

Baugebiet Weingarten
Das Baugebiet Weingarten in Rheinweiler ist 1,29 Hektar groß. Der neue Plan enthält nun Platz für sechs Einzelhäuser mit 11 Wohneinheiten, zehn Einzelhäuser mit 15 Wohneinheiten und zwei Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohnungen. Platz wäre so gesamt für 58 Wohneinheiten mit 123 Einwohnern. Die Wohnbaufläche umfasst 0,80 Hektar. Öffentliche Grünflächen mit Spielplatz umfassen 0,21 Hektar.

Es ist der dritte Anlauf, das Baugebiet „Weingarten“ in Rheinweiler zu realisieren – und auch diesmal ist die Planung umstritten, wie sich in der Gemeinderatssitzung am Montag zeigte. Der Bau von zwei dreistöckigen Mehrfamilienhäusern wurde zwar kritisiert. Letztlich wurde den eingegangenen Anregungen aus der Offenlage, der Änderung und Billigung der Entwurfsplanung sowie der erneuten Öffentlichkeitsbeteiligung zugestimmt.

Ursprünglich sollte 2015 im Baugebiet „Weingarten“ das Siegerprojekt der Internationalen Bauausstellung Basel (IBA) realisiert werden. Investor war die Bouwfonds Property Development. Das Konzept wurde nicht verwirklicht. Dann wollte die Firma Weber-Consulting mit der Firma Bruckner Massivhaus 20 Häuser mit Pult- und Flachdächern erstellen. Auch diese Realisierung verlief im Sande.

Jetzt ist mit der „G und L Wohnkonzepte GmbH“ aus Emmendingen ein neuer Projektentwickler im Spiel. Stadtplaner Tilman Liewer sowie Frank Edelmann von der Rüdiger-Kunst-Kommunalkonzept GmbH Freiburg, die den Projektentwickler vertrat, und Florian Kübler von BartonS-ASS Architekten GmbH in Freiburg, erläuterten Details der neuen Planung. Entscheidend hierbei: Im Gegensatz zum Bebauungsplan von 2016, sieht die westliche Bebauung angrenzend zur Bahnlinie, nun nicht mehr zweigeschossige Häuser, sondern eine Blockbebauung mit zwei dreistöckigen Mehrfamilienhäusern mit Flachdach vor. Unter denen ist noch eine Garagenanlage – allerdings nicht als Tiefgarage – geplant. Die Häuser stehen quasi auf Stelzen. Die Gemeinde will mit der Neuplanung dem sozialen Wohnungsbau und dem öffentlich geförderten Mietwohnungsbau Genüge tun.

Über die laut Architekt „funktionale Bauweise“, ärgerte sich Anwohner Jörg Höferlin, der sich unter dem Punkt „Fragen der Bürger“ zu Wort meldete. Die Mehrfamilienhäuser verdeckten für viele Bürger den Blick auf die Vogesen, passten nicht zur Dorfbebauung. Sie seien zu wuchtig und zu hoch. Er verstehe nicht, warum man von der ursprünglich beschlossenen, maximal zweigeschossigen auf die dreigeschossige Bauweise gehe.

Geschuldet sei die neue Planung im „westlichen Bereich des Wohngebiets den geänderten Verhältnissen“, erläuterte Bürgermeister Carsten Vogelpohl. Man diskutiere ein baulandpolitisches Konzept, denn „preisgünstige Wohnungen sind Mangelware“, sagte er. Es ginge auch darum, in einem neuen Wohngebiet eine soziale Durchmischung zu erreichen. Die Häuser müssten preiswert zu erstellen sein, deshalb seien keine Tiefgaragen und abseits von Laubengängen auch keine architektonischen Extras geplant, meinte Architekt Kübler. Zwei Mehrfamilienhäuser mit je zwölf Wohneinheiten sind vorgesehen, möglich seien bis zu 15.

Liewer ging zu den Details über. Zum Bebauungsplan von November 2016 haben verschiedene Fachbehörden Stellung genommen, erinnerte er. Zum Schallschutz Richtung Bahn gingen vom Landratsamt keine Hinweise ein, wobei die geplanten zwei Mehrfamilienhäuser den Bahnlärm gegenüber der höher liegenden Bebauung vermindern würden, hieß es. In Sachen Natur und Umwelt wurde nachgebessert, sagte Liewer. Der Wirtschaftsweg an der Südgrenze des Plangebietes wird zu einer öffentlichen Straße mit 5,50 Meter Breite – diese soll zu öffentlichen Parkplätzen am geplanten Spielplatz führen.

Gemeinderat Wolfgang Müller (FW) betonte, dass sozialer Wohnungsbau wichtig sei, er kritisierte aber die zu massive Bebauung, die für andere Bürger dann die Sichtachsen Richtung Vogesen verdecke. Müller bemängelte auch die Spielplatzplanung, da die Hecke nicht sicherstelle, dass Kinder vor den Spritzarbeiten in den benachbarten Reben geschützt seien. Deshalb könne er der Beschlussvorlage nicht zustimmen. Liewer warf ein, dass Kinder während der Spritzzeiten einfach nicht auf dem Spielplatz spielen sollten, aber auch Ulrich Höferlin und Doris Heitz (beide CDU) kritisierten die Nähe zu den Reben. Silvia Heitz (SPD) brachte eine andere Anordnung der Parkplätze, die in der bisherigen Planung dem Spielplatz vorgeordnet sind, ins Spiel.

Sven Baßler (FW) bezeichnete die rund neun Metern hohen Mehrfamilienhäuser als „große Klötze“ und fragte, ob man an dem Entwurf nicht noch etwas ändern könne. Aus den Reihen der Freien Wähler kam der Vorwurf, die neue Planung erfolge „zu schnell“ und sei „mit der heißen Nadel gestrickt“.

Reinhard Sparwasser, Rechtsbeistand der Gemeinde, schlug mit Einverständnis von Architekt Kübler vor, im Rahmen einer „nachbarverträglichen Bebauung“ die Gebäudehöhe um einen halben Meter „herunterzunehmen“. Ebenso soll der Spielplatz einen Spritzschutz bekommen. Trotz ihrer geäußerten Kritik und Bedenken enthielten sich in der Abstimmung über die Beschlussvorlage fünf Räte der Stimme. Gemeinderat Müller stimmte, wie angekündigt, mit „Nein“. Es erfolgt nun eine neue Offenlage.

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