Bahn mit Baustelle
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Aug(g)en auf liebe Deutsche Bahn

Die Ausgestaltung des Lärmschutzes an der Rheintalbahn bei Auggen bleibt umstritten / Bahn lädt zur “Dialogveranstaltung”.

Trotz des anhaltenden Widerstands in der Region – auf Auggener Gemarkung sind die Arbeiten der Deutschen Bahn zum Ausbau der Rheintalbahn unübersehbar. Weiterhin noch nicht wirklich geklärt ist die Frage, wie der Lärmschutz in diesem Bereich aussehen soll. Die DB lädt dazu am kommenden Wochenende zu einer “Dialogveranstaltung”, wo sie informieren und Ideen zur Gestaltung sammeln will. Kritiker wiederum befürchten, dass der versprochene Vollschutz aufgeweicht werden könnte. Für sie ist und bleibt die Tieflage der beste Lärmschutz.

Die optimierte Kernforderung 6 (OKF 6) der Bürgerinitiativen – die Tieferlegung der Güterzugtrasse zwischen Hügelheim und Auggen – hat es bekanntlich nicht geschafft in das vom Bundestag abgesegnete Paket Baden 21. Um die Enttäuschung darüber zu mildern, wurde seinerzeit versprochen, in diesem Abschnitt den Lärmschutz auf das sogenannte Vollschutz-Niveau auszubauen. Vollschutz – das bedeutet vereinfacht gesagt, dass alle Maßnahmen, die den Bahnlärm auf die vorgeschriebenen Werte eingrenzen sollen, an der Bahntrasse direkt stattfinden. Passive Lärmschutzmaßnahmen, wie etwa schalldichte Fenster für betroffene Gebäude, sollen so weitgehend überflüssig werden.

Was auf den ersten Blick wie ein Entgegenkommen aussieht – die Deutsche Bahn verweist gerne auf “Schallschutz, der über das gesetzliche Maß hinausgeht” wie es im Planfeststellungsbeschluss hinterlegt wurde – erweist sich für Auggen als handfestes Dilemma. Denn da für die Bahn und offenbar auch für die Politik die Tieflage vom Tisch ist, bedeutet Vollschutz quasi zwangsläufig höhere Lärmschutzwände – mit negativen Folgen unter anderem für das Landschaftsbild und das Mikroklima, wie die Bürgerinitiativen monieren.

In Unterlagen der DB zur Lärmschutzthematik in Auggen wird auf Höhe des dortigen Bahnhofs mit einer Schallschutzwand in Höhe von 5,50 Meter kalkuliert, sofern man auf den Vollschutz verzichtet. Wird dieser miteinberechnet, erhöht sich die Wand auf knapp sieben Meter; die Rede ist auch immer wieder davon, dass sogenannte Galerien notwendig würden, die die Bahngleise teilweise von oben her einhausen. Wird auf den Vollschutz verzichtet, dann, so ergeben es die Unterlagen der Bahn, müssten im Bereich Auggen an etwa 50 Gebäuden passive Lärmschutzmaßnahmen umgesetzt werden. Will man diesen Preis zahlen, um weniger wuchtige Schallschutzwände im Ort zu haben? Oder nicht? Eine schwierige Abwägung, die in Auggen zu Diskussionen führt.

Oder eine Lösung “dazwischen”?

Die Bahn hat stets beteuert, dass sie den Vollschutz, so er denn gewünscht wird, auch umsetzen wird. Indes gibt es gewisse Anzeichen, dass die DB die Auggener mindestens nochmal darüber nachdenken lassen will, ob die den Vollschutz wirklich wollen. Vertreter der Bahn hätten mit Anwohnern bereits Gespräche über passive Lärmschutzmaßnahmen geführt, war in den letzten Wochen immer wieder zu hören. Und in ihren Visualisierungen stellt die Bahn die Optionen mit und ohne Vollschutz demonstrativ gegenüber – und ergänzt: “Oder eine abgestimmte Schallschutz-Lösung dazwischen?”

Für Vertreter des Bürgerbündnis Bahn Markgräflerland (BBM) wie Gerhard Kaiser ist das Abrücken vom Vollschutz keine Option. Der dann höhere Lärmpegel beträfe das ganze Dorf, gibt Kaiser zu bedenken. Was ihn besonders verärgert: Die Bahn gehe in ihren Lärmschutzberechnungen immer davon aus, dass sie der einzige Lärmverursacher ist, so Kaiser. Dabei sei Auggen auch anderweitig belastet, allen voran durch die B 3.

Ginge es nach dem BBM wäre die Diskussion über die Höhe von Schallschutzwänden ohnehin obsolet. Die Empfehlung der Politik “bei der Wahl der Farbe, Form und eventueller Bepflanzung der Lärmschutzwände die Gemeinden zu beteiligen” empfindet man in diesen Kreisen als blanken Hohn. Mit der OKF 6, die die Bürgerinitiative nach wie vor für realisierbar und von den Kosten her vergleichbar mit der Bahnplanung hält, wäre auch in puncto Lärmschutz die ideale Lösung gefunden, sind die Bahnkritiker überzeugt. Die DB wiederum hat stets darauf verwiesen, dass auch bei einer Tieflage noch Schallschutzbauwerke nötig wären. Für sie ist indes die Tieflage vom Tisch, darüber möchten die Bahn-Vertreter am Wochenende in Auggen vermutlich nicht mehr diskutieren.

Dialogveranstaltung
Die Deutsche Bahn lädt die Anwohnerinnen und Anwohner der Gemeinde Auggen am Samstag, 20. Juli, 10 bis 18 Uhr und Sonntag, 21. Juli 2019, 10 bis 17 Uhr zu einer “Dialogveranstaltung” in die Sonnberghalle ein. An Informationsständen, die während der Öffnungszeiten frei besucht werden können, können Bürgerinnen und Bürger mit den Projektmitarbeitern ins Gespräch kommen und sich über den Ausbau der Rheintalbahn informieren. Daneben liegt der Schwerpunkt der Veranstaltung auf der Gestaltung des Schallschutzes in Auggen, durch den sich das Ortsbild verändern wird. Dafür sind an dem Wochenende in mehreren Runden Planungswerkstätten vorgesehen, in denen in kleinen Gruppen Ideen zur Ausgestaltung des Lärmschutzes entwickelt werden sollen. Für diese Werkstätten wird um vorherige Anmeldung gebeten unter http://www.karlsruhe-basel.de per E-Mail über kontakt@karlsruhe-basel.de oder unter Tel. 0761/212 4504.

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